28.10.2015
Eine durch Erfahrung geprägte, entlarvende Analyse, die wir mit Zustimmung der Autorin gerne publizieren


Die Rhetorik der Grünen – und schlagfertige Antworten darauf

Von Dr. Cornelia Hegele-Raih                                                                                              09.10.2015

Spätestens wenn Bürger von Initiativen gegen Windkraft einmal an einer sogenannten Dialogveranstaltung mit Windkraftbefürwortern teilgenommen haben, geht den meisten ein Licht dahin gehend auf, dass ihre Meinung in diesen Veranstaltungen eigentlich gar nicht wirklich gefragt ist. Die Strategien der Windkraftbefürworter zur Abwehr berechtigter Einwände sind vielfältig, zum Beispiel wissen Sie sehr genau, dass man zur Erklärung der komplexen Zusammenhänge ein Mindestmaß an Zeit braucht. Das willkommenste Geschenk für die Profiteure der Windkraft sind daher ins Schwafeln geratende Vertreter von Bürgerinitiativen. Längere Redebeiträge können sie in aller Regel mit dem guten Argument, sich doch bitte kurz zu fassen, abwürgen. Das wichtigste Mittel der Auseinandersetzung ist allerdings eine höchst raffinierte (oder zumindest raffiniert wirkende) Form der demagogischen Rhetorik, bei der Vertreter von Bürgerinitiativen, die im guten Glauben daran, es ginge den Befürwortern der Windkraft wirklich noch um Dialog und gute Argumente, so gut wie keine Chance haben. Und diesen, sehr, sehr tief sitzenden Frust, der sich spätestens nach ein paar Jahren in der Bürgerinitiative einstellt, kennen wohl die meisten von uns.

Nach einigen „Dialogen“ mit Windkraftbefürworten merkt man, dass vor allem die Vertreter von Bündnis90/die Grünen über eine derart standardisierte Rhetorik verfügen, dass man fast glauben könnte, diese würden in entsprechenden Trainings zum Umgang mit Windkraftgegnern oder Kritikern ihrer verkorksten Energiewende geschult (werden sie vermutlich auch). Wichtig ist es daher, so früh wie möglich zu begreifen, dass es tatsächlich eben nicht um Dialog geht, sondern immer nur um Rhetorik. Die rhetorische Bekundung der Dialogbereitschaft ist selbst eine besonders raffinierte Form der Rhetorik. Diese Rhetorik wirkt auf den ersten Blick wahnsinnig entwaffnend und geschickt und besteht vor allem aus einfachen Fragen (dem Königsinstrument der Rhetorik schlechthin) wie zum Beispiel „und wo soll die Energie in 100 Jahren herkommen?“.

Solche rhetorischen Fragen kann man schlechterdings nicht mit einem Satz beantworten, ohne sich auf das völlig unterirdische Niveau des rhetorischen Fragers zu begeben. Im Folgenden möchte ich eine Reihe von schlagfertigen – und möglichst auch noch einigermaßen humorvollen Antworten auf die wichtigsten rhetorischen Standardargumente der Grünen vorschlagen (wobei einem der Humor ja meistens eher vergehen könnte, schließlich ist das Thema viel zu ernst).

Falls jemand noch andere/ergänzende Tipps für mich hat, wie man es noch besser oder kürzer sagen könnte oder andere nette Gags kennt, bin ich über eine kurze Nachricht dankbar. Die erste Antwort ist ein klein wenig länger, da man die Grünen in ihrer Fähigkeit zu meist vollkommen inhalts- und faktenfreier Rhetorik nicht unbedingt vollständig nachahmen sollte. Einige ganz zentrale Informationen muss man auf irgendeine Weise durchdrücken, notfalls auch unter Überschreitung der Antwortzeit. Bei den weiteren Fragen hat man es dann aber schon ein wenig leichter, und kann sich manchmal auch nur mit einem einzigen Satz begnügen.

Wo soll denn die Energie in 100 Jahren herkommen?


Sie können uns ja noch nicht mal sagen, wo die in 10 Jahren herkommen soll. Aber wollen wir einmal so tun, als sei dies eine ernsthafte Frage. Es kommt darauf an, ob wir dann immer noch ein so hochentwickelter Industriestaat sein werden wie heute. Wenn dem so sein sollte, dann werden in 100 Jahren aus physikalischen Gründen mit Sicherheit auch nur ein kleiner Teil der Energie von Wind und Sonnenenergie stammen (derzeit liefern die 24.000 Betonmasten und Solaranlagen einen Anteil an der Endenergie von 2,6 Prozent – das sind die Zahlen des Bundesumweltministeriums, und das Potential der übrigen erneuerbaren Energien ist weitgehend ausgeschöpft). Der Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Energiemix (Endverbrauch) hat sich in den letzten Jahren kaum gesteigert, obwohl wir Rekordzuwächse bei der Installation von Anlagen hatten). Wenn wir kein Industriestaat mehr wären, könnten wir den Anteil der Erneuerbaren Energien vielleicht auf 50 Prozent hochtreiben – aber dann hätten wir mit Sicherheit leider kein Geld mehr dafür, den Chinesen ihre Solarpaneele und Batterien abzukaufen und die Windräder zu warten.*

*Der Stromverbrauch der privaten Haushalte macht etwa 26% des gesamten Stromverbrauchs aus, und dieser wiederum 14% des gesamten Energieverbrauchs. 26% von 14% ist aber eben nur 3,6%. Das bedeutet, selbst wenn alle privaten Haushalte auf Erneuerbare Energien umstellen würden, wären erst 3,6% der Energiewende geschafft! Wenn man keine Industrie mehr hätte, und ohne Berücksichtigung der Kosten könnte man den Anteil der erneuerbaren Energien vielleicht auf 50 % hochtreiben. Aber ohne Industrie hätten wir vermutlich kein Geld mehr dafür, den Chinesen ihre Solarpaneele abzukaufen. Die Energiewende ist also entweder in hohem Maße scheinheilig – weitaus scheinheiliger als etwa der VW-Skandal. Oder er ist ein Programm zur Abschaffung der Industrie.

Was sind denn die Alternativen? Sie wollen doch sicher keine rostigen Atomfässer in Ihrem Garten!


Sie meinen eine Alternative dazu, ein funktionierendes Energiesystem dadurch zu ruinieren, dass man einen winzigen Teil von zufällig anfallender Energie hinzufügt, der schon aufgrund seiner geringen Menge kaum etwas zur Rettung der Welt beitragen kann? Oder wollen Sie ernsthafte Alternativen hören, aber dazu müssten Sie sich sehr viel Zeit nehmen, denn es gibt genügend Alternativen die sinnvoller sind als Windräder, die leider fast ausschließlich im Mittelpunkt Ihrer Energiewende stehen.

Dass der Anteil der Erneuerbaren Energien so klein ist, liegt an den bösen Lobbyisten der Braunkohle. Wir müssen noch viel mehr Windräder bauen!


Es ist zwecklos zu versuchen den Grünen zu erklären, warum das Unsinn ist oder sie daran zu erinnern, dass es eigentlich ihre Energiepolitik eigentlich Schuld daran ist, dass Kohlekraftwerke heute so eine zentrale Rolle spielen. Und natürlich sollte man ihnen nicht den Gefallen tun, in irgendeiner Form zur Kernenergie Stellung zu nehmen oder gar den menschengemachten Klimawandel anzuzweifeln. Man antworte besser: „Man kann aus einer Kuh auch mit einer atombetriebenen Melkmaschine nicht mehr aus dem Euter herausholen, als in der Kuh drin ist. Es sei denn, Sie beschließen auf ihrem Parteitag gleich auch noch eine neue Physik.“

Von Autos werden viel mehr Vögel getötet als von Windrädern
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Oh ja, stimmt. Montags fahre ich Rotmilane tot, Dienstags Mopsfledermäuser, Mittwochs Seeadler und Donnerstags Schwarzstörche. Wenn mir ein paar Rebhühner dazwischen kommen ist es auch immer schön. Aber jetzt mal im Ernst. Ich habe in meinem Autofahrerleben noch nie einen Vogel totgefahren. Sie vielleicht? Dann schämen Sie sich jetzt hoffentlich.

Sind Sie denn auch mit der Bahn zu dieser Demo angereist, wenn Sie schon gegen umweltfreundliche Windräder sind?


Eigentlich wollte ich mit dem Fernbus kommen, denn der hat die beste Ökobilanz. Aber das ging leider nicht. Die Bahn wird vorwiegend durch Steinkohlekraftwerke versorgt. Ich wollte auch ehrlich gesagt nicht mit einer Windradbetriebenen Bahn fahren. Dann laufe ich lieber.

Also ich finde Windräder schön!


Hmm, also ich finde, die machen ein ganz schlechtes Karma. Aber im Ernst. Es hängt alles davon ab, mit welchen Augen man das betrachtet. Wenn man ernsthaft glaubt, dass Windräder wirklich nennenswerte Mengen an sauberere Energie liefern können, dann sieht man diese sicher weitaus positiver als wenn man weiß, dass sie in Wirklichkeit fossile Kraftwerke nicht ersetzen und somit auch kein CO2 einsparen, im Gegenteil.

Ignoranz und Dummheit sind wohl bei Atomkraft- und Kohlekraftbefürwortern stark verbreitet!


Wer Andersdenkende Ignoranz und Dummheit unterstellt, der hat sich schon in jeglicher Hinsicht für eine Diskussion disqualifiziert!

Windräder kann man später wieder abbauen. Atomkraftwerke dagegen nicht.


Windräder können kein einziges konventionelles Kraftwerk ersetzen. Insofern ist die Diskussion müßig. Aber was für einen Sinn soll es haben, etwas Sinnloses aufzubauen, um es danach wieder abzubauen (mal angenommen, die Windfirmen würden ausreichend Rückstellungen dafür bilden, was nicht der Fall ist). Also so kann man natürlich auch das Bruttosozialprodukt ankurbeln. Aber was für eine gigantische Ressourcenverschwendung…und für so etwas sind die Grünen zu haben?

Manche Grüne sind gar nicht so dumm. Wenn man länger mit ihnen diskutiert und sie merken, dass sie die Zahl 1,8 % Windenergieanteil nicht wegdiskutieren können, dann sagen sie: Na aber doch wenigstens besser als Nichts.


Ich muss gestehen, dass mir an dieser Stelle eigentlich nichts mehr dazu einfällt. 1 Billionen Kosten für "besser als nichts"?
Spätestens an dieser Stelle ist die Argumentation so ad absurdum geführt, dass man sie eigentlich beenden könnte. Aber Grüne sind hartnäckig.....sie fangen dann einfach mit Punkt 1 wieder an. Lernen tun sie es nie. Wollen sie auch nicht - solange in der Zeit des "Dialogs" weitere Windräder aufgestellt worden ist für sie ja auch alles in bester Ordnung......
*Weitere Sachargumente Argumente wie etwa zu Pumpspeicherkraftwerken und Batterien sind hier nicht aufgeführt. Diese Dinge sind relativ komplex zu erklären, aber vereinzelt haben unterdessen anscheinend tatsächlich einzelne Grüne schon begriffen, dass ausreichende, auch nur halbwegs bezahlbare Speichermöglichkeiten nicht existieren – auf absehbare Zeit! Jedenfalls meinte zumindest der Grüne Minister Tarek Al-Wazir am 2. Oktober auf dem hessischen Energiegipfel in Wiesbaden sinngemäß, Batterien oder Pumpspeicher seien das Letzte, worüber man nachdenke. Es würde zumindest in Hessen noch nicht so viel Strom aus Erneuerbaren Energien produziert, dass dies ein Thema sei. Das rhetorische Geschick der Grünen sollte man nie unterschätzen, nur weil man im Grunde nur fassungslos und ungläubig vor solchen Argumenten steht. Zum Glück widersprechen sie sich aber so oft selber, dass man immer wieder Ansatzpunkte für eine entsprechende Gegenrhetorik findet.


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Dr. Cornelia Hegele-Raih ist Wirtschaftswissenschaftlerin und freie Journalistin für Managementthemen und Beraterin für Unternehmens-Kommunikation. Ihr beruflicher Werdegang ist gekennzeichnet durch Hotelfachausbildung, Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Organisation, Personalwesen und Arbeits- und Organisationspsychologie und wissenschaftliche Assistentin an der Universität Mannheim. 1999-2011: Redakteurin Harvard Business Manager, sowie wissenschaftliche Mitarbeit an der Universität Mannheim am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Organisation und am Datenbank- und Informationszentrum der Universität Mannheim.