09.10.2014
Windvorranggebiete in Villmar und Runkel nicht mit dem Naturschutz vereinbar
Wird man geltendes Recht beachten?

Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. Arbeitskreis Limburg-Weilburg, hat als anerkannter Naturschutzverband, in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative Wind-Wahn Villmar/Runkel, dem Regierungspräsidium Gießen sowie dem ersten Kreisbeigeordnendem Jung eine ausführliche Stellungnahme übersandt.

Hierin wird scharf gerügt, das in den beabsichtigten Windvorranggebieten sämtliche Rotmilanvorkommen unberücksichtigt blieben, obwohl diese nicht nur der staatlichen Vogelschutzwarte, sondern auch dem Regierungspräsidium Gießen zur Kenntnis gegeben wurden.

Ebenso wurde bis dato auch die auf Teilflächen nachgewiesene Wildkatze offenbar nicht bei der Planung berücksichtigt. Dem Forstamt Weilmünster, in dessen Verwaltung entsprechende Wälder des Hessen Forst fallen, liegen bestätigte Meldungen dazu vor.

Darüber hinaus sind in Teilbereichen der Windvorrangflächen Runkel und Villmar nicht nur seltene Fledermausarten, Rotmilan u. andere Greifvogelarten, sondern auch der Schwarzstorch beheimatet. Weiterhin ist jedes Jahr der Zug der Kraniche über die geplanten Windvorrangflächen im Bereich der Gemeinden Falkenbach, Seelbach und Arfurt zu beobachten

Auch viele andere seltene und geschützte Vogelarten müssen in den „gutachterlichen“ Aussagen der letzten Offenlegung berücksichtigt werden. Es handelt sich bei den Windvorrangflächen in Villmar/Runkel um Gebiete mit Vorkommen, die auch die Anforderungen für ein Vogelschutz- beziehungsweise Natura-2000-Gebiet erfüllen und diesen rechtlich gleichzusetzen sind. Eine Genehmigung und der Bau von Windkraftanlagen in diesem Gebiet würde geltendes Naturschutzrecht brechen, führt Dieter Stahl von der HGON Limburg-Weilburg aus.

Viele der hier nachgewiesenen Tier- und Vogelarten unterliegen dem absoluten Tötungsverbot nach dem Naturschutzgesetz. Unter Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen und der aktuellen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel ist somit ein Festhalten an den momentanen Windvorrangflächen eigentlich nicht mehr möglich.

Von besonderem Interesse ist jetzt, wie das Regierungspräsidium Gießen mit diesen durch Bilder und Karten belegten Fakten umgehen wird.

Allerdings scheint man es in Mittelhessen mit dem Naturschutz nicht so ernst zu nehmen, wie das jüngste Beispiel in Freiensteinau zeigte. Da werden schon mal Waldflächen in der Größe von sieben Fußballfeldern zu Gunsten eines Windparks ohne Genehmigung gerodet und die verantwortlichen Behörden bekommen das angeblich erst kurz vor der Eröffnung des Windparks mit.

Wir appellieren deshalb jetzt an den Regierungspräsidenten, endlich die Bestimmungen des Naturschutzgesetzes zu beachten und die Beplanung der Windvorrangflächen in den Bereichen Villmar/Runkel einzustellen, so Wolfgang Nawroth, Sprecher der Bürgerinitiative Wind-Wahn Villmar/Runkel.


Wolfgang Nawroth