15.07.2014 
Von wegen "Einträgliche Windenergie"

oder wie man 3.500 Windräder in Hessen verkaufen will

von Axel Kühnert, Dipl. Ing. Elektrotechnik

"Einträgliche Windenergie" als Überschrift in Riesenlettern, so in der NNP und ähnlich auch in anderen Zeitungen und im Text steht dann: "...Es dauere etwa 15 Jahre bis Gewinne erwirtschaftet wurden - der Finanzierung wegen...". Genau deswegen gab es auch keine Gewerbesteuer!  Dafür verbleiben nun nur noch 5 Jahre, dann gibt es keine EEG-Gelder mehr und die Wartungskosten übersteigen die Einnahmen. Über das erwirtschaftete Plus und die rechnerische Volllaststunden - Zahlen schweigt man höflich. Dazu gibt es meist ein wunderschönes dpa-Bild und ein dpa-Info zur Abrundung.

Die Botschaft: Der Abteilungsleiter der "anwendungsnahen Forschung und Entwicklung des Fraunhofer IWES" schätzt, dass bis zum Jahr 2050 rund 3.500 Windräder (WKA) notwendig sind. Der Experte schätzt also. Schätzungen haben den Nachteil der Ungewissheit. Und Schätzungen können daneben liegen. Besser ist Rechnen. Beweis: 3.500 WKA X 5 MW-Anlagen haben eine Gesamtleistung von 17,5 Gigawatt (GW). Bei seinen angegebenen 14 GW wären es 4 MW-Anlagen.
Nehmen wir mal an, der Stromverbrauch in Hessen würde, wegen der enorm ansteigenden Stromkosten, wirklich nur von z.Z. 37 TWh auf knapp 58 TWh bis 2050 ansteigen, dann würden selbst bei seinen gewünschten 2.500 Volllaststunden die 5 MW-Anlagen nur 43,75 TWh und die 4 MW-Anlagen nur 35 TWh liefern. Für die 58 TWh benötigt er aber 7.498 WKA a 5`MW oder 9.373 a 4 MW-Anlagen.

Unter www.iwr.de/windindex findet man 2013 im Vergleich der letzten 10 Jahre eine Abnahme der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit um 10,7 %. 10 % weniger Wind bedeutet 30 % weniger Einnahmen!
Die DEWI GmbH in Wilhelmshaven, durch das Land Niedersachsen zur Unterstützung der Windenergieindustrie gegründet, macht folgenden Angaben: Die Durchschnitts - Volllaststundenzahl für onshore der letzten10 Jahre war 1.547 h. Da würden seine 14 GW-Anlagen nur 21,66 TWh liefern, das würde noch nicht einmal den heutigen Stromverbrauch in Hessen von 37 TWh abdecken!!
Außerdem muss man beachten, dass die gerne angeführten "Volllaststunden" nur ein rechnerischen Jahresmittelwert sind, der nichts über die reale Lieferbarkeit von Strom zu einem gewünschten Zeitpunkt aussagt.

Zwei Prozent der Fläche Hessens sind 422 km², da passen nur 1.400 WKA drauf und keine 7.498 / 9.373.  Das kommt davon, wenn man schätzt.

Man traut sich in solchen Zeitungsartikeln in der Regel auch nicht, den Bürgern zu sagen, dass dafür insgesamt 1.050 km² bzw. 1.826 km² Wald abgeholzt werden müssten ! Traurig: Die meisten machen sich "eh kei Kopp drüber".

Aber das ganze Zahlenspiel sollte auch keiner nachrechnen. Es ging um die wichtige Botschaft an die Bürger: Laßt uns 3.500 WKA hinstellen, ob es bei Windstille auch reicht, müssen wir noch abschätzen.

Mit freundlichen Grüßen
Axel Kühnert
Dipl. Ing. Elektrotechnik
65597 Hünfelden