12.03.2015


Das RP Gießen zieht sich auch weiterhin auf die Position zurück, eine Befassung mit konkreten Einzelvorkommen von windkraftempfindlichen Vogelarten (hier konkret der Rotmilan) sei in der momentanen überörtlichen Planung weder vorgesehen, noch angemessen und überdies auch gar nicht leistbar. Dies teilte Dr. Ivo Gerhards unter anderem in einem Schreiben an die BI Wind-Wahn Villmar-Runkel vom 06.03.2015 mit.

Darüber hinaus führt das RP Gießen in diesem Schreiben erneut an, dass das strenge Artenschutzrecht unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen vom Tötungsverbot zulässt, sofern sich dadurch der Erhaltungszustand der Population nicht verschlechtert. Insofern wäre unter Umständen auch der Verlust einzelner Individuen beziehungsweise einzelner Horste durchaus zulässig.
Gänzlich anders sehen das allerdings die Oberverwaltungsgerichte Münster Weimar in entsprechenden Entscheidungen. Diese führen aus, dass schon der Verlust einzelner Exemplare – insbesondere zur Brutzeit – nicht ohne Auswirkungen auf den lokalen Bestand dieser seltenen Vogelart bleiben und damit deren Erhaltungszustand beeinträchtigen würde. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass bei geringer Brutpaardichte die Reproduktion wie die örtliche Population des Rotmilans bereits durch den Verlust einzelner Vögel erheblich beeinträchtigt wäre, da im Falle des Verlusts eines erwachsenen Tiers während der Brutzeit kein geschlechtsreifes Tier nachrückt.
Der Verlust hat gerade deshalb eine besondere Bedeutung, weil Rotmilane relativ alt werden können und die älteren Tiere immer wieder nach der Überwinterung im Süden zum angestammten Horst zurückkehren, während die Jungvögel sich einen neuen Horst suchen. Unstrittig ist, dass der Rotmilan häufiger als jede andere Vogelart an Windkraftanlagen tot aufgefunden wird. Mit Stand 28.10.2014 waren der Vogelschutzwarte in Brandenburg bundesweit 250 Rotmilane als sogenannte „Schlagopfer“ an Windkraftanlagen gemeldet. Damit rangiert er an Platz zwei der durch Windkraftanlagen getöteten Vogelarten.
Davon ausgehend, dass nicht jedes „Windrad-Opfer“ auch tatsächlich gemeldet wird, dürfte die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegen. Gerade aber für den Rotmilan trägt Deutschland eine weltweit einmalige Verantwortung, da 60% des gesamten Bestands hier leben und ihre Bruträume haben. Leider ist der Bestand in letzten Jahren signifikant rückläufig, was den Verdacht nahe legt, dass man es mit dem Artenschutz wohl doch oftmals nicht so genau nimmt. Gerne zieht man sich bei der Bewertung artenschutzrechtlicher Belange auf Gutachten sogenannter Sachverständiger zurück.
Einwände örtlicher Naturschutzverbände werden dieser „Gutachter-Meinung“ nur allzu gerne untergeordnet. Beauftragt und bezahlt werden diese Gutachter allerdings von den den Windkraft-Profiteuren und nicht von den Rotmilanen.

Wolfgang Nawroth
BI Wind-Wahn Villmar/Runkel

BI.villmar-runkel@t-online.de
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